Das Okavango-Delta ist ein Fluss, der nirgends ankommt. Er versickert und verdunstet in der Kalahari. Ob du im Fly-in-Camp wohnst, mit dem eigenen Allradwagen durch Moremi fährst oder einen Tag im Mokoro ab Maun verbringst, hängt vor allem am Budget und am Wasserstand in deinem Reisemonat.
Ein Delta ohne Meer
Der Okavango entsteht in Angola aus den Flüssen Cubango und Cuito, fließt durch den Nordosten Namibias und tritt bei Mohembo nach Botswana über. Zuerst läuft er rund 80 Kilometer als schmaler Streifen nach Südosten, den die Tourismusbehörde Botswanas (BTO) Panhandle nennt. Bei Seronga fächert er sich auf. Den namibischen Abschnitt beschreibt die Seite Sambesi-Region und Okavango.
Warum das Wasser hier liegen bleibt, ist Geologie. Der Fluss erreicht auf 930 bis 1.000 Metern Höhe einen tektonischen Graben im Kalahari-Becken, im Süden begrenzt von der Kunyere- und der Thamalakane-Verwerfung. Von Mohembo bis Maun fällt das Gelände nur um rund 60 Meter. Und das Wasser? Laut deutscher Wikipedia verdunsten 95 Prozent, die englische nennt 96 bis 98 Prozent, die verdunsten oder versickern. Die UNESCO spricht vom größten Binnendelta Afrikas.
Wie groß? Jede Quelle rechnet anders
- UNESCO: Welterbe-Kernzone 20.236 km², Pufferzone 22.866 km², darin rund 6.000 km² ständige Sümpfe und bis zu 12.000 km² saisonal überflutetes Grasland.
- BTO: 15.000 km² in trockenen Phasen, 22.000 km² in nassen.
- Englische Wikipedia: 6.000 bis 15.000 km², im selben Artikel auch 15.000 und 37.500 km².
- Deutsche Wikipedia: über 20.000 km², die Flut bedecke bei Maun etwa 12.000 km².
Die Welterbe-Zone ist ein Verwaltungsgebiet, keine Wasserfläche. Am 22. Juni 2014 wurde das Delta als 1.000. Stätte in die Welterbeliste eingetragen. Laut UNESCO liegen rund 40 Prozent davon im Moremi-Wildreservat, der Rest verteilt sich auf 18 Wildschutz- und Jagdgebiete unter Gemeinde-Trusts oder privaten Konzessionären.
- Welterbe
- seit 2014UNESCO, 1.000. Stätte
- Kernzone
- 20.236 km²UNESCO, Wasserfläche schwankt
- Hochwasser
- Juni bis Augustin der Trockenzeit
- Moremi
- BWP 270 (rund 18 €)pro Person und Tag, Stand 09/2026
- Buschflug
- 12 bis 20 kgje nach Quelle, weiche Taschen
Die Flut kommt, wenn es nicht regnet
Im Delta selbst fällt der meiste Regen von November bis März. Die Flut aber stammt aus dem Hochland Angolas, wo es im Januar und Februar regnet. Bis das Wasser im Delta ankommt, ist in Botswana längst Trockenzeit. Die UNESCO nennt genau das den Kern des Systems: Die Flut erreicht das Delta auf dem Höhepunkt der Trockenzeit, im Juni und Juli.
Die Welle wandert langsam. Laut englischer Wikipedia breitet sie sich von März bis Juni im Delta aus, der Höchststand liegt zwischen Juni und August. An den Popafällen oberhalb des Panhandle ist der Scheitel laut deutscher Wikipedia schon im März, bis Maun vergehen rund vier Monate.
Jedes Jahr ist anders. 2026 war ein Ausnahmejahr: Gemeldet wurden über 1.000 Millimeter Regen gegenüber rund 450 im Schnitt, die Flut kam früh und hoch. Moremi war im März gesperrt und öffnete am 13. April 2026 nur teilweise, Third Bridge und die Strecke Khwai bis Xakanaxa blieben zu. Prüf den aktuellen Stand vor der Reise.
Monat für Monat: Wasser, Wetter, Preise
Die Temperaturen und Regenmengen sind Mittelwerte für Maun (Wikipedia, Daten des Deutschen Wetterdienstes). Die Preissaisons stammen von zwei Anbietern, die ihre Grenzen verschieden ziehen: der Lodge Atzaró Okavango und dem Veranstalter Pulse Africa.
| Monat | Wasser im Delta | Maun: Tag / Nacht, Regen | Saison Atzaró / Pulse Africa |
|---|---|---|---|
| Januar | Regen in Angola, Flut noch unterwegs | 31,5 / 19,4 °C, 104 mm | Emerald / Green |
| Februar | Regen in Angola | 31,3 / 18,9 °C, 95 mm | Emerald / Green |
| März | Scheitel an den Popafällen, Flut breitet sich aus | 31,0 / 17,5 °C, 81 mm | Emerald / Green |
| April | Flut breitet sich aus | 30,5 / 14,6 °C, 25 mm | Mid / Green |
| Mai | Flut breitet sich aus | 27,9 / 9,5 °C, 5 mm | Mid / Shoulder |
| Juni | Hochwasser beginnt | 25,2 / 6,2 °C, 1 mm | Peak / Peak |
| Juli | Hochwasser, Flut erreicht Maun | 25,4 / 6,2 °C, 0,5 mm | Peak / Peak |
| August | Hochwasser | 28,5 / 9,2 °C, 0 mm | Peak / Peak |
| September | fällt nach dem Scheitel | 32,3 / 14,0 °C, 1 mm | Peak / Shoulder |
| Oktober | fällt | 34,6 / 18,5 °C, 17 mm | Mid / nicht genannt |
| November | niedrig, Regenzeit beginnt | 33,6 / 19,3 °C, 43 mm | Mid / Green |
| Dezember | niedrig | 32,2 / 19,3 °C, 81 mm | Emerald / Green |
Andere Anbieter zählen den Oktober zur Hochsaison.
Moremi oder private Konzession?
Das Moremi-Wildreservat ist laut BTO das einzige offiziell geschützte Gebiet im Delta. Hier zahlst du Parkgebühren an die Wildschutzbehörde DWNP, für Nicht-Residenten BWP 270 (rund 18 €) pro Person und Tag, gültig seit April 2022. Die für April 2026 geplante Erhöhung auf BWP 500 (rund 33 €) wurde am 31. März 2026 verschoben, laut Presse um zwei Jahre (Stand September 2026). In Moremi darfst du selbst fahren, brauchst aber einen vorab gebuchten Campsite; es gibt nur vier Campingbereiche. Alles Weitere auf der Seite zum Moremi-Wildreservat.
Der größere Teil des Deltas sind Konzessionen, die private Betreiber oder Gemeinden verwalten. Dort bist du mit den Guides deines Camps unterwegs. Für die Konzessionen Selinda und Linyanti im Norden, 1.350 und 1.250 km² groß, spricht die BTO von Camps mit vielleicht zwanzig Gästen. Seit der Tourismuspolitik von 1990 setzt Botswana bewusst auf wenige Gäste mit hohen Ausgaben. Ins innere Delta kommen Touristen laut UNESCO nur in kleinen, zeitweiligen Zeltcamps mit Zugang per Flugzeug. 2014 zählte die UNESCO im ganzen Gebiet 2.129 Betten.
Was du wo machen kannst
Welche Aktivitäten ein Camp anbietet, ist laut BTO von Camp zu Camp verschieden.
Mokoro
Der Einbaum wurde früher aus Ebenholz oder dem Holz des Leberwurstbaums geschlagen, heute ist er meist aus Glasfaser. Ein Poler stakt ihn stehend durch die flachen Kanäle. Laut SafariBookings ist der Wasserstand für Mokorofahrten in der Trockenzeit von April bis Oktober am besten. Trinkgeld für den Poler: Der Veranstalter Expert Africa nennt 5 bis 10 US-Dollar (rund 4,40 bis 8,70 €) pro Gast und Tag (Stand September 2026).
Pirschfahrt
Geführte Pirschfahrten und Mokoro sind laut SafariBookings die beiden Hauptaktivitäten im Delta, und in den meisten Gebieten geht es dabei auch abseits der Pisten. Selbst fahren kannst du in Moremi, in manchen privaten Konzessionen dagegen nicht.
Walking und Nachtfahrt
Nachtfahrten und Walking-Safaris gibt es laut SafariBookings vor allem in Gebieten außerhalb von Moremi, geführte Wanderungen nennt auch die englische Wikipedia. Ohne Guide zu Fuß in den Busch? Davon rät die BTO ausdrücklich ab.
Boot und Rundflug
Motorbootfahrten führt die BTO neben Sundowner und Boma-Abenden auf. Wikipedia nennt außerdem Rundflüge, Angeln und Vogelbeobachtung.
Wasser- oder Landcamp
Ob ein Camp eher Mokoro oder eher Pirschfahrten bietet, hängt an seiner Lage: an tiefen Kanälen oder auf trockeneren Inseln. Das ist eine Faustregel, keine Einteilung einer Behörde. Weil Mokorofahrten vom Wasserstand abhängen, frag nicht nur, ob ein Camp sie anbietet, sondern ob es das in deinem Reisemonat tut. SafariBookings empfiehlt, Pirschfahrt und Mokoro zu kombinieren. Verteil eine Woche deshalb auf zwei Camps mit unterschiedlicher Lage.
Fly-in: Charterflug und weiche Tasche
Linienflüge ins Delta gibt es nicht. Du landest in Maun und steigst dort in eine kleine Chartermaschine, etwa von Mack Air oder Wilderness Air, die meist der Veranstalter bucht. Die Flüge zu den Camps dauern nach Angaben von Buchungsportalen 15 bis 45 Minuten, zwischen den Camps geht es ebenfalls per Leichtflugzeug.
Beim Gepäck widersprechen sich die Quellen, sogar die BTO sich selbst. Einmal nennt sie 12 Kilo, an anderer Stelle 15 Kilo in weichen Taschen plus 5 Kilo Handgepäck, keine Tasche breiter als 72 und höher als 29 Zentimeter. Mack Air erlaubt 20 Kilo insgesamt, davon höchstens 5 als Handgepäck, in weichen Taschen ohne Rollen, Rahmen oder feste Seiten, bis 30 × 35 × 70 Zentimeter. Wilderness Air nennt ebenfalls 20 Kilo. Frag deinen Veranstalter, welche Grenze für deine Flüge gilt, und pack weich. Bei Mack Air bringt ein Zusatzsitz 30 Kilo mehr.
Maun: Tor zum Delta
Maun ist Verwaltungssitz von Ngamiland und laut Wikipedia die Tourismushauptstadt des Landes, mit 85.293 Einwohnern beim Zensus 2022. Hier sitzen die Charterfirmen. Einen Direktflug aus Europa gibt es nicht. Du fliegst über Johannesburg, Kapstadt oder Windhoek, mit Airlink, Air Botswana oder FlyNamibia, die seit April 2026 viermal pro Woche ab Windhoek kommt.
Selbstfahrer starten ebenfalls hier: Bis zum South Gate von Moremi sind es laut dem Reiseportal Ostrich Trails rund 92 Kilometer, 40 davon Asphalt. Medizinisch ist Maun laut Auswärtigem Amt nur sehr eingeschränkt versorgt. Eine Versicherung mit Rücktransport gehört dazu.
Mokoro ab Maun: die günstige Variante
Wer kein Fly-in-Camp bezahlen will, kommt auch von Maun aus ins Mokoro. Der Anbieter Maun Mokoro Trips nennt für zwei Nächte mit Zelt, Vollpension, Mokoro und Wanderungen 625 US-Dollar (rund 550 €) pro Person, Abfahrt dienstags von Mai bis September (Tarif 2026/27). Tagestouren fährt er erst ab vier Personen, der Preis ist auf Anfrage. Andere Quellen nennen für Tagestouren 40 bis 60 US-Dollar (rund 35 bis 52 €) oder 680 bis 900 Pula (rund 45 bis 59 €) pro Person, ohne Datum. Ins innere Delta kommst du so nicht.
Was die Lodges kosten
Lodges rechnen pro Person und Nacht ab, meist mit Mahlzeiten und Aktivitäten, oft auch mit den Transferflügen. Veröffentlichte Tarife sind selten (Stand September 2026):
- Atzaró Okavango, Suite 2026: 740 US-Dollar (rund 650 €) in der Emerald Season, 1.310 Dollar (rund 1.150 €) in der Zwischensaison, 1.980 Dollar (rund 1.750 €) in der Hochsaison. 2027 steigen die Sätze. Dazu kommt eine Conservation Levy von 85 US-Dollar (rund 74 €) pro Person und Nacht.
- Pulse Africa: Luxussafaris im Delta 1.000 bis 3.500 US-Dollar (rund 870 bis 3.050 €) pro Person und Nacht, eine Woche ab etwa 5.000 US-Dollar (rund 4.350 €).
- Mittelklasse laut einer Übersicht von Private Tours Cape Town: Oddballs Camp 430 bis 530 US-Dollar (rund 380 bis 460 €), Delta Camp 430 bis 520 Dollar (rund 380 bis 450 €), Guma Lagoon Camp im Panhandle 150 bis 250 Dollar (rund 130 bis 220 €) pro Nacht; in der Green Season seien Lodges 30 bis 50 Prozent günstiger.
Schon bei einer einzigen Lodge macht die Saison mehr als das Doppelte aus. Wie sich das mit Flügen und Parkgebühren zu einem Reisebudget summiert, rechnet die Seite Was Botswana kostet vor.
Malaria im Delta
Auswärtiges Amt und Deutsche Gesellschaft für Tropenmedizin stufen Okavango-Delta, Moremi und Maun von September bis Mai als Gebiet mit hohem Malariarisiko ein und empfehlen in dieser Zeit Tabletten. 2026 gilt die Empfehlung laut Auswärtigem Amt wegen des Klimas bis August. Von Juni bis August ist das Risiko sonst mittel. Andere Quellen nennen andere Monate: Österreichs Außenministerium November bis Juni, die BTO November bis April. Lass dich vor der Reise reisemedizinisch beraten, Details auf der Seite Einreise, Malaria, Sicherheit.
Welche Monate für wen passen
Für Tiere und Wasser zugleich sind Juni bis Oktober die Hauptzeit. Die BTO nennt für Tierbeobachtung Mai bis Oktober, die englische Wikipedia für Moremi Juli bis Oktober, wenn die Regenpfannen austrocknen und sich die Tiere am Dauerwasser sammeln. Im Juni und Juli sinken die Nächte in Maun im Mittel auf gut 6 Grad. Der Oktober ist der heißeste Monat.
Die Green Season von etwa Dezember bis März bringt Jungtiere, Zugvögel und deutlich niedrigere Preise. Dafür regnet es, und Mokorofahrten sind nicht überall möglich. Wer auf den Preis schaut, prüft April, Mai und November. Dann liegt Atzaró in der Zwischensaison. Mehr Monatsdetails zu ganz Botswana auf der Seite Reisezeit, Flut und Green Season.
Unser TippFrag vor der Buchung jedes Camp zwei Dinge: ob es Mokoro in deinem Reisemonat anbietet und ob Parkgebühren, Conservation Levy und Charterflüge im Preis stecken. Allein die Conservation Levy macht bei Atzaró 85 US-Dollar (rund 74 €) pro Person und Nacht aus (Stand September 2026).
Euro-Beträge gerundet. Kurse: 1 € = 1,15 US-Dollar (Referenzkurs der Europäischen Zentralbank vom 22.09.2026), 1 € = 15,15 Pula (Kurs der Bank of Botswana vom 22.09.2026).
Häufige Fragen zum Okavango-Delta
Wann steht das Wasser im Okavango-Delta am höchsten?
Das Hochwasser im Okavango-Delta kommt in der Trockenzeit, nicht in der Regenzeit. Der Regen fällt im Januar und Februar in Angola, der Höchststand liegt laut Wikipedia zwischen Juni und August, laut UNESCO im Juni und Juli.
Kann man das Okavango-Delta ohne teure Lodge sehen?
Ja, mit einem Mokoro-Ausflug ab Maun. Anbieter fahren Tagestouren und Touren mit zwei Nächten im Zelt, bei einem Anbieter gibt es Tagestouren erst ab vier Personen. Diese Ausflüge führen an den Rand des Deltas, nicht in die abgelegenen Gebiete, die nur Fly-in-Camps erreichen.
Was ist der Unterschied zwischen Moremi und den Konzessionen im Okavango-Delta?
Das Moremi-Wildreservat ist laut Tourismusbehörde das einzige offiziell geschützte Gebiet im Okavango-Delta, Selbstfahrer dürfen dort mit gebuchtem Campsite hinein. Der Rest des Deltas besteht aus Konzessionen privater Betreiber oder Gemeinden, und Nachtfahrten und Wanderungen gibt es laut SafariBookings vor allem außerhalb von Moremi.
Wie viel Gepäck darf man im Buschflugzeug ins Okavango-Delta mitnehmen?
Die Charterfluggesellschaften Mack Air und Wilderness Air erlauben 20 Kilo einschließlich Handgepäck, die Tourismusbehörde Botswanas nennt an einer Stelle 12 Kilo, an einer anderen 15 Kilo plus 5 Kilo Handgepäck. Erlaubt sind nur weiche Taschen ohne Rollen und festen Rahmen.
Braucht man für das Okavango-Delta Malariatabletten?
Auswärtiges Amt und Deutsche Gesellschaft für Tropenmedizin stufen das Okavango-Delta, Moremi und Maun von September bis Mai als Gebiet mit hohem Malariarisiko ein und empfehlen dann Tabletten, 2026 wegen des Klimas bis August. Welches Mittel passt, klärt eine reisemedizinische Beratung vor der Reise.
