Der Rand liegt über 2.000 Meter hoch, und das spürst du. Nachts fällt die Temperatur dort auf 6 bis 8 Grad, je nach Quelle, und Frost ist möglich. Nebel am Morgen ist normal: Der Höhenunterschied zwischen Boden und Rand sorgt laut dem Veranstalter Discover Africa in den frühen Stunden für viel Dunst. Unten am Kraterboden ist es dann oft schon klar und deutlich wärmer.
Krater und Schutzgebiet: was wozu gehört
Der Ngorongoro-Krater ist ein eingebrochener Vulkan, eine Caldera, die vor zwei bis drei Millionen Jahren entstand. Die Schutzgebietsbehörde nennt ihn die größte intakte, nicht mit Wasser gefüllte Caldera der Welt, die UNESCO spricht von der größten ungebrochenen Caldera. Bei den Maßen gehen die Quellen auseinander:
- Tiefe: 610 Meter laut Behörde und englischer Wikipedia, die deutsche Wikipedia nennt Kraterwände von 400 bis 600 Metern.
- Durchmesser: etwa 20 Kilometer laut Behörde, 17 bis 21 Kilometer laut deutscher Wikipedia.
- Kraterboden: 260 Quadratkilometer laut Behörde, 264 laut deutscher Wikipedia. Er liegt auf etwa 1.800 Metern (englische Wikipedia) oder rund 1.700 Metern (deutsche Wikipedia).
Der Krater ist nur ein kleiner Teil des Ngorongoro-Schutzgebiets (Ngorongoro Conservation Area, NCA). Die UNESCO gibt dessen Fläche mit 8.094 Quadratkilometern an, Wikipedia und Wikidata mit 8.292. Seit 1979 ist das Gebiet Weltnaturerbe, 2010 kam der Status als Kulturerbe dazu, wegen der Fundstätten rund um die Olduvai-Schlucht. Von 1984 bis 1989 stand es auf der Roten Liste des gefährdeten Welterbes.
Und es ist kein Nationalpark. Im Schutzgebiet leben Menschen, vor allem Maasai mit ihren Herden. Als es 1959 von der Serengeti abgetrennt wurde, war es als Gebiet für Wildtiere und Weidewirtschaft zugleich gedacht. Verwaltet wird es deshalb nicht von der Nationalparkbehörde TANAPA, sondern von einer eigenen Behörde, der NCAA, mit eigenen Tarifen und Regeln.
- Kratertiefe
- 400 bis 610 mje nach Quelle
- Kraterboden
- 260 bis 264 km²auf rund 1.700 bis 1.800 m
- Schutzgebiet
- 8.094 bis 8.292 km²UNESCO bzw. Wikipedia
- Welterbe
- seit 1979Kulturerbe zusätzlich seit 2010
- Kraterfahrt
- 295 USD (rund 260 €)pro Fahrzeug, Stand 09/2026
Die Kraterfahrt: Gebühren, Tore, Straßen
Für den Krater zahlst du zweimal. Einmal den Eintritt ins Schutzgebiet, pro Person. Und einmal die Crater Service Fee, pro Fahrzeug und Fahrt in den Krater. Die Beträge laut Tarifseite der NCAA, Stand September 2026:
| Posten | Betrag | Gilt für |
|---|---|---|
| Eintritt ab 16 Jahren | 70,80 USD (rund 62 €) | pro Person, eine Einfahrt in 24 Stunden |
| Eintritt 5 bis 15 Jahre | 23,60 USD (rund 21 €) | pro Kind, unter 5 Jahren frei |
| Crater Service Fee | 295 USD (rund 260 €) | pro Fahrzeug und Kraterfahrt |
| Concession Fee Lodge oder Zeltcamp | 59 USD (rund 51 €) | pro Erwachsenem und Nacht |
| Public Campsite / Special Campsite | 35,40 / 70,80 USD (rund 31 / 62 €) | pro Erwachsenem und Nacht |
| Bush Lunch im Krater | 23,60 USD (rund 21 €) | pro Fahrzeug |
Die krummen Beträge ergeben sich aus runden Summen plus 18 Prozent Mehrwertsteuer (70,80 sind 60 mal 1,18). Die Steuer ist also offenbar schon drin. Ausdrücklich schreibt die NCAA das nicht. Die Crater Service Fee steht seit mindestens Mai 2023 unverändert bei 295 Dollar (rund 260 €). Zwei Erwachsene in einem Wagen zahlen für einen Kratertag damit gerechnet 436,60 Dollar (rund 380 €) Gebühren.
AchtungDas NCAA-Permit gilt für genau eine Einfahrt innerhalb von 24 Stunden, auch die Crater Service Fee deckt nur eine Fahrt in den Krater. Anders als in den Nationalparks darfst du also nicht raus und wieder rein. Wer in die Serengeti weiterfährt und am selben Tag zurückkommt, braucht nach diesem Wortlaut ein neues Permit.
Die Tore des Schutzgebiets öffnen laut NCAA um 6 Uhr und schließen um 18 Uhr. Für den Krater selbst gilt: Hinunter geht es zwischen 6 und 16 Uhr, bis 18 Uhr müssen alle Fahrzeuge wieder draußen sein. Haupttor ist das Loduare Gate, 14 Kilometer von Karatu. Von Karatu bis auf den Kraterboden rechnen Veranstalter mit ein bis anderthalb Stunden.
In den Krater führen drei Straßen. Ein undatiertes Regelblatt der NCAA, das nur noch bei einem Veranstalter online steht, regelt sie so: Seneto nur hinunter, Lerai nur hinauf, Lemala in beide Richtungen. Ob das noch gilt, weiß dein Guide.
Das Sechs-Stunden-Limit gibt es so nicht
Viele Reiseseiten schreiben, im Krater dürfe man höchstens sechs Stunden bleiben. In den Besucherregeln, auf der Informationsseite, in den FAQ und in den Tarifen der NCAA steht davon nichts. Veranstalter nennen es selbst eine weiche Regel. Amtlich ist nur das Zeitfenster der Tore, also bis zu zwölf Stunden. Die meisten Kraterrunden dauern nach Angaben eines Veranstalters sechs bis acht Stunden.
Regeln im Krater
Auf den Kraterboden dürfen nur Geländewagen mit Allradantrieb bis 3.500 Kilogramm Leergewicht. Im Krater gilt Tempo 25, und du bleibst im Fahrzeug, außer an ausgewiesenen Stellen. Ein lizenzierter Guide ist Pflicht. Wandern ist im Krater verboten, am Rand erlaubt. Selbstfahrer müssen nach Angaben von Veranstaltern einen Ranger mitnehmen; die Tarifseite der NCAA erwähnt das nicht. Mehr dazu auf der Seite Tansania auf eigene Faust.
Was du im Krater siehst
Auf dem Kraterboden leben rund 25.000 größere Tiere. Löwen wurden 1987 auf 68 geschätzt, 2001 zählte man 62. Giraffen, Impalas, Topis und Krokodile gibt es im Krater nicht.
Der Grund, warum viele Gäste ein Fernglas einpacken, sind die Spitzmaulnashörner. Um 1965 lebten im Krater etwa 108, bis 1993 fiel der Bestand auf 13. 2018 zählte man 55 Tiere.
Gut sehen kannst du das ganze Jahr. Von Juni bis Oktober ist das Gras kürzer, im März und April steht es hoch und die Sicht ist schwerer. Voll wird es von Juli bis März, im April und Mai kommen deutlich weniger Besucher. Mehr dazu unter Reisezeit und Große Tierwanderung.
Am Kraterrand übernachten
Die deutsche Wikipedia gibt die Randhöhe mit etwa 2.300 Metern an. Klimadaten für eine Lodge in dieser Höhe zeigen im Juni bis September Tiefstwerte um 8 Grad und Tageshöchstwerte um 19 bis 21 Grad.
Am Rand gibt es Lodges und feste Zeltcamps, für die pro Nacht die Concession Fee der NCAA anfällt, dazu einen öffentlichen Campingplatz und Special Campsites, die du vorher buchst. Viele Routen legen die Nacht vor dem Krater nicht an den Rand, sondern nach Karatu außerhalb des Schutzgebiets. Wer am Rand schläft, ist morgens als Erster an der Abfahrt, zahlt aber die Übernachtungsgebühr zusätzlich zum Zimmerpreis. Wie sich das auf das Budget auswirkt, steht bei den Kosten einer Safari.
Unser TippPack für den Kratertag Fleece und Windjacke in den Tagesrucksack. Morgens am Rand brauchst du beides, mittags am Kraterboden keins davon, und im Wagen ist Platz genug zum Ausziehen.
Weitere Ziele im Schutzgebiet
Olduvai-Schlucht
Die Schlucht beginnt etwa 20 Kilometer nordwestlich des Kraters und ist bis zu 100 Meter tief. Wie lang sie ist, beantwortet jede Quelle anders: 14 Kilometer bei der UNESCO, rund 40 in der deutschen Wikipedia, 48 und 50 in zwei Artikeln der englischen, 55 bei der NCAA.
Seit den 1930er Jahren wird hier gegraben, bekannt wurde die Schlucht durch die Familie Leakey. Aus Olduvai stammen Fossilien von drei frühen Menschenformen: Paranthropus boisei, Homo habilis und Homo erectus. Deshalb gilt die Stelle als eine der wichtigsten Fundstätten zur Frühgeschichte des Menschen und ist der Grund, warum das Schutzgebiet seit 2010 auch Kulturerbe ist. Am Rand der Schlucht steht ein Museum, besichtigen darfst du die Stätte nur mit einem offiziellen Guide. Eintritt laut NCAA 35,40 Dollar (rund 31 €; Stand September 2026).
Laetoli
Im Süden des Schutzgebiets liegen die Fußspuren von Laetoli: rund 70 Abdrücke auf fast 27 Metern, nach Angaben der NCAA 3,6 Millionen Jahre alt und dem Australopithecus afarensis zugeordnet. Ein Team um Mary Leakey grub sie 1978 und 1979 aus. Die NCAA führt für Laetoli einen eigenen Tarif von 23,60 Dollar (rund 21 €; Stand September 2026), beschreibt aber keine Besuchereinrichtungen vor Ort.
Empakaai-Krater
Kleiner und höher als der Ngorongoro. Der Empakaai ist 6 Kilometer breit laut englischer Wikipedia, fast 8 laut NCAA, seine Wände sind etwa 300 Meter hoch. Der Rand liegt im Westen auf 3.200, im Osten auf 2.590 Metern. Einen Sodasee, bis 85 Meter tief, gibt es auch: Er bedeckt laut Wikipedia rund drei Viertel des Bodens, die NCAA schreibt auf derselben Seite einmal „mehr als 75 Prozent“ und einmal „etwa die Hälfte“. Hinunter läufst du etwa eine Stunde, hinauf zweieinhalb, immer mit bewaffnetem Ranger.
Ndutu
Die Ebenen um den kleinen Sodasee Ndutu am Westende der Olduvai-Schlucht sind von Dezember bis März das Ziel der Großen Tierwanderung (Great Migration). Ndutu gehört zum Ngorongoro-Schutzgebiet, nicht zum Serengeti-Nationalpark. Es gelten also die Gebühren der NCAA. Die Kalbezeit hat ihre Spitze im Februar. Wann genau, hängt jedes Jahr vom Regen ab. Mehr dazu auf der Seite zur Serengeti.
Die Maasai und die Umsiedlungen
Wer durch das Schutzgebiet fährt, sieht Maasai mit ihren Rindern an der Straße. Seit einigen Jahren zieht die Regierung Familien von hier weg. Sie nennt das freiwillig. Menschenrechtsorganisationen sprechen von Zwang.
- 1959: Das Schutzgebiet wird von der Serengeti abgetrennt, um Landrechte der Maasai zu sichern; Maasai aus der Serengeti ziehen in die NCA. Die englische Wikipedia beschreibt das an anderer Stelle als Umsiedlung durch die britische Kolonialregierung.
- 1975: Ackerbau im Krater wird verboten. 1979 schätzt die UNESCO rund 20.000 Maasai mit etwa 275.000 Tieren im Gebiet, in den Kratern Ngorongoro und Empakaai lebt niemand.
- 2015: Das Weiden von Maasai-Vieh im Krater wird untersagt. 2017 leben im Schutzgebiet 93.136 Menschen.
- 2021 und 2022: Die Regierung plant die Umsiedlung nach Msomera in der Region Tanga, rund 600 Kilometer entfernt, und beginnt 2022 damit. Pro Haushalt gibt es in der ersten Phase ein Haus und 10 Millionen Schilling (rund 3.300 €). Human Rights Watch schreibt 2024, über 82.000 Menschen seien betroffen und würden „unter dem Deckmantel freiwilliger Umsiedlung“ vertrieben; seit 2021 würden Schulen und Gesundheitsdienste abgebaut.
- August 2024: Eine Verordnung löst 25 Dörfer auf. Maasai blockieren die Straße zur Serengeti, nach Angaben einer Zeitschrift waren es Hunderte, laut einem anderen Bericht über 40.000. Ein Gericht in Arusha stoppt die Verordnung vorläufig. Die Regierung kündigt an, die Dienste wiederherzustellen, und nimmt die Auflösung im September zurück.
- März 2026: Eine Kommission übergibt ihren Bericht an Präsidentin Samia. Laut der Zeitung The Chanzo sind 1.678 von rund 23.000 Zielhaushalten umgezogen, gut 7 Prozent; ein späterer Artikel derselben Zeitung nennt 1.627. Der Kommissionsleiter sagt, die freiwillige Umsiedlung sei nicht wie erwartet gelungen. Die Präsidentin will sie mit Korrekturen fortsetzen.
- April 2026: 14 tansanische Organisationen fordern, die Empfehlungen zu verwerfen und die Berichte zu veröffentlichen.
Stand September 2026 ist das Programm nicht offiziell beendet. Die Kommissionsberichte selbst sind nach Angaben der Organisationen nicht öffentlich.
Eine Kulturboma besuchen
Viele Safaris halten an einer Kulturboma, einem Maasai-Dorf, das Besucher empfängt. Die NCAA verlangt dafür 20 Dollar (rund 17 €) pro Fahrzeug (Stand September 2026). Menschen fotografieren darfst du laut den Besucherregeln der NCAA nur in diesen Bomas, nicht am Straßenrand. Frag trotzdem vorher.
Euro-Beträge gerundet. Kurse: 1 € = 1,15 US-Dollar (Referenzkurs der Europäischen Zentralbank vom 22.09.2026), 1 € = 3.033 Tansania-Schilling (Kurs der Bank of Tanzania vom 23.09.2026).
Häufige Fragen zum Ngorongoro-Krater
Wie lange darf man im Ngorongoro-Krater bleiben?
Eine feste Grenze von sechs Stunden steht in keiner Quelle der Schutzgebietsbehörde NCAA, Veranstalter nennen sie selbst eine weiche Regel. Amtlich gilt nur: Die Abfahrt in den Krater ist ab dem frühen Morgen bis zum Nachmittag offen, und am frühen Abend müssen alle Fahrzeuge wieder oben sein.
Was kostet eine Fahrt in den Ngorongoro-Krater?
Es fallen zwei Posten an: der Eintritt ins Ngorongoro-Schutzgebiet pro Person, gültig für eine Einfahrt innerhalb von 24 Stunden, und die Crater Service Fee pro Fahrzeug. Die Fahrzeuggebühr teilt sich eine Gruppe, deshalb wird die Kraterfahrt pro Kopf günstiger, je voller der Wagen ist.
Gehört Ndutu zur Serengeti?
Nein. Die Ndutu-Ebenen, in denen die Gnus zur Kalbezeit stehen, liegen im Ngorongoro-Schutzgebiet und nicht im Serengeti-Nationalpark. Dort gelten die Gebühren der Ngorongoro-Behörde NCAA, nicht die der Nationalparkbehörde.
Gibt es im Ngorongoro-Krater Nashörner?
Ja, der Krater ist einer der Orte in Tansania, an denen Spitzmaulnashörner leben. 2018 wurden dort 55 Tiere gezählt, nach nur 13 im Jahr 1993. Sie sind selten und oft weit entfernt, ein Fernglas hilft.
Werden die Maasai aus dem Ngorongoro-Schutzgebiet umgesiedelt?
Seit 2022 zieht die tansanische Regierung Maasai-Familien aus dem Ngorongoro-Schutzgebiet vor allem nach Msomera in der Region Tanga um und nennt das freiwillig. Human Rights Watch und tansanische Organisationen sprechen von Zwang. Eine Kommission meldete im März 2026, dass bis dahin rund sieben Prozent der Zielhaushalte umgezogen waren.
